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ABOUT THIS PROJECT

Our two AudioWalks take you on a journey through Jewish Chernivtsi and Chişinău and allow you to discover many of the cities’ nearly forgotten sites of Jewish life.

Use our multimedia maps, and explore the family pictures, archival material, and personal stories of 21 Jewish Holocaust survivors to get a unique insight into the rich Jewish heritage of these two European cities.

© Christian Herrmann

Lemnaria Synagoge

Element 340
Strada Eugen Doga 4 + 5
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Von dem ursprünglichen Gebäude der Lemnaria-Synagoge, das 1835 erbaut wurde und über 100 Jahre eine der zentralen Synagogen der Stadt beherbergte, ist nur noch die Fassade erhalten. Ein siebenarmiger Leuchter ziert die Hausvorderseite – der allerdings nicht historisch ist, sondern erst im Zuge der Neunutzung zu Beginn der 2000er Jahre angebracht wurde. Das Gebäude war damals sehr heruntergekommen und musste vollständig neu aufgebaut werden.

Wer heute das kleine Sicherheitstor durchschreitet, das in der Regel geöffnet ist, gelangt durch den Hof in einen modernen Gebäudekomplex, in dem sich seit 2005 der „Kishinev Jacobs Jewish Campus“ befindet, ein Fixpunkt des jüdischen Lebens in der Republik Moldau. Die jüdische Gemeinde hat hier ihren Sitz, dazu das jüdische Kulturzentrum KEDEM sowie verschiedene jüdische Wohltätigkeits- und Jugendorganisationen. Gerade gemeinnützige Organisationen, wie Hesed oder der Joint, haben in der Zeit des Umbruchs nach 1990 eine wichtige Funktion eingenommen, besonders im Leben von älteren Menschen. Zeitzeuginnen wie Shlima Goldstein berichteten in Centropa-Interviews davon:

Das Einzige, worüber wir uns freuen, ist, dass die jüdischen Gemeinden im unabhängigen Moldawien wiederbelebt wurden. Es gibt Wohltätigkeitsorganisationen – Joint und Hesed – und sie helfen uns, ein anständiges Leben zu führen. Wir haben begonnen, die jüdischen Traditionen wiederzuentdecken, die wir in unserer Jugend kannten. Wir feiern alle jüdischen Feiertage mit den Freunden, die wir durch Hesed kennen gelernt haben. Neben der materiellen Unterstützung ermöglichen sie uns auch, die Nähe und Unterstützung von Juden in aller Welt zu spüren.

Das jüdische Gemeindezentrum mit seinen verschiedenen Einrichtungen war und ist Anlaufstelle gerade für ältere Menschen. Auch Bella Chanina, 1923 in Chişinău geboren, empfand die Unterstützung als essenziell:

Das Leben der Rentnerinnen und Rentner hat sich nach der Perestroika deutlich verschlechtert. Persönliche Renten wurden gestrichen, und ich verlor alle Leistungen. Wir gaben einen großen Teil unserer Renten für Miete und Medikamente aus, da wir älter und kränker wurden. Es wurde jedoch eine Freiheit gewährt, die vorher nicht existierte, und wir können von einer Wiedergeburt des jüdischen Lebens in Chişinău sprechen. Zuerst gründeten wir eine jüdische Bibliothek und jetzt ist sie unser Gemeindezentrum. In der Bibliothek wurde ein Klub von Rentnern eröffnet, und ich wurde 1993 eines der ersten Mitglieder dieses Klubs. Ich begann auch, als Freiwillige in Yehuda, einer Wohltätigkeitsorganisation im Hesed, zu arbeiten. Im Jahr 1997 wurde ich Vorsitzende des sogenannten „Warmen Hauses“. Diese Arbeit gefällt mir sehr gut. Wir feiern alle jüdischen Feiertage, und ich versuche, alles im Einklang mit den jüdischen Traditionen zu tun. Zum Beispiel lege ich an Pessach auf den Teller jedes Bediensteten vier Stücke Matze, mit einer Serviette dazwischen, ein Ei, Meerrettich und Kartoffeln, so wie es die Traditionen verlangen.

Seit 2019 wird das Gebäude der Lemnaria-Synagoge wieder als Bethaus genutzt: In den Kellerräumen, wo sich früher unter anderem eine Mikwe befand, gibt es heute eine Männer- und eine Frauensynagoge, direkt nebeneinander.
Ursprünglich war der Saal der Synagoge im ersten Stock des Gebäudes. Heute wird dieser große Raum als Theater- und Konzertsaal genutzt. Im Vorraum des Saals stehen einige Vitrinen mit Exponaten aus der langen Geschichte der jüdischen Gemeinde, darunter die Schreibmaschine von Ihil Shraibman, dem bekannten jiddischen Schriftsteller. Gegenüber der Lemnaria-Synagoge, auf der anderen Straßenseite, am Eingang zur jüdischen Bibliothek, erinnert eine Tafel an den 2005 verstorbenen Schriftsteller, dessen Grab sich auf dem jüdischen Friedhof befindet.

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